Herr Althusmann, die Nachrichten überschlagen sich: Rot-Grün verliert die Einstimmenmehrheit, Ministerpräsident Weil entlässt seinen Botschafter in Berlin: Fällt Ihnen die Macht in Niedersachsen nun einfach in den Schoß?

Man kommt aus der Phase des Wunderns nicht mehr heraus: So viele Krisen und Verkettungen unglücklicher Zustände in einer Regierung habe ich selten erlebt. Man muss ja schon fast Mitleid haben mit dieser Regierung, die sich selbst zerlegt. Aber wir werden uns den Machtwechsel erkämpfen – und danach mit dem Aufräumen beginnen. So chaotisch wie jetzt kann es jedenfalls nicht bleiben.

Sie waren einmal selbst Kultus­minister in einer Regierung, die ihrerseits auch Vergabefehler gemacht hat. Wie wollen Sie das verhindern?

Dass Fehler bei Vergaben passieren können, ist nicht das Grundproblem. Aber wenn der Verdacht von Vetternwirtschaft aufkommt, der Verdacht von Kumpanei, dann kommen wir in einen sehr grenzwertigen Bereich, der in der Regel die Staatsanwaltschaft auf den Plan ruft. Insofern bleibt abzuwarten, was noch geschieht.

Alle Staatssekretäre, die gescheitert sind, galten als Macher, als Aktivposten der Regierung. Ist möglicherweise das Vergaberecht zu kompliziert?

Wir werden uns das Vergaberecht nach der Wahl genau ansehen. Aber die Fehler, die in der Staatskanzlei gemacht worden sind, geschahen zumindest teilweise aus Vorsatz. Der Ministerpräsident ist jetzt in einer misslichen Situation. Er versucht, die Dinge, die in seinem engsten Umfeld geschehen sind, von sich fernzuhalten, um keine persönliche Verantwortung übernehmen zu müssen. Abwarten, ob diese Strategie bis zur Wahl funktioniert. Aber ich habe den Eindruck, dass diese Regierung es schlicht nicht kann. Man sollte als Chef sein persönliches Umfeld schon im Griff haben.

Interview mit freundlicher Genehmigung der HAZ. Das Interview führte Michael B. Berger.